Den Pyrenäen entgegen
von Jörg Jaksche am 15.07.05
13. Etappe / 92. Tour de France
173 km von Miramas nach Montpellier
Nun sind wir also im von mir nicht so geliebten Teil Frankreichs unterwegs. Warum, wollt Ihr sicher wissen. Südfrankreich ist doch ein Urlaubsparadies. Was will der Jaksche? Stimmt schon, aber ich rede von der Tour und die findet auf der Straße statt und die Straßen hier sind zunehmend Marke 'Sparausgabe'. Im Norden sparen die Franzosen an Ampeln, im Süden zusätzlich noch an ordentlich geteerten Straßen. Ein bisschen Teer, ein wenig Splitt, fertig ist der 'Shit'. In den Kurven ist es dann ölig und schmierig. Durch die Hitze schmilzt alles an der Oberfläche an. Ich war damals unmittelbar bei Beloki, als er so böse auf der Abfahrt gestürzt war. Damals war auch der schlechte Asphalt schuld. Deshalb gilt ab jetzt - 'Holzauge sei wachsam'.
Mitleid dauert im Profisport nur einen AugenblickHeute hat es auf dieser wirklich rasant geführten Etappe den Alejandro Valverde erwischt. Bitter, dass er mit Knieproblemen aussteigen musste. Als Zuschauer hat man dann sicher Mitleid. Aber der Profisport ist hart. Und ich bin mir sicher, dass die meisten Konkurrenten gedacht haben: "Gut, einer weniger." Das ist genau wie bei der Formel Eins. Da hämmert einer in die Mauer, die Zuschauer hoffen, dass dem Fahrer nichts passiert ist. Der Ersatzfahrer hingegen denkt sich: "Hoffentlich ist dem nichts schlimmes passiert, aber wenigsten könnte der ja Kopfschmerzen haben, sodass ich meine Chance bekomme." Das hört sich 'krass' an, ist aber wenigstens nicht heuchlerisch.
Punktlandung ZielsprintAuf der Etappe habe ich mich heute wirklich gut gefühlt, jedenfalls klar besser als gestern. Am Ende war es mal wieder Hetze pur. Ich bin manchmal selbst erstaunt, dass es wieder auf 100 Meter genau hingekommen ist, dass diesmal der Homer und der Chavael noch gestellt wurden. Den McEwen wird es gefreut haben. Mir war es echt egal. Denn in Gedanken war ich schon bei der 'Hitzeschlacht', die uns am Samstag erwartet.
Wenn der Kopf explodiertAuf der Samstagsetappe werden wieder Abstände im Gesamtklassement gemacht. Allerdings unter erschwerten Bedingungen. Denn die Hitze wird uns mächtig foltern. Ich kann Euch sagen, wer da nicht genug trinkt und seine Körpertemperatur versucht durch Wasser herunterzubringen, der sieht morgen schneller Sterne als er gucken kann. Das 'Ding' wird so laufen: Eine Gruppe geht. Die Gruppe holen wir - wenn kein guter Bergfahrer dabei ist - schon vor dem Gipfel des Port de Pailheres ein. Dann donnern alle wie bekloppt den Berg runter und die letzten acht Kilomter hinauf zur Bergankunft kann dann jeder sehen wie sehr er sich 'das Leder geben' will. Wenn ich da bloß den Helm nicht aufhaben müsste. Das ist der totale Schwachsinn, dass wir den auch bei einer Bergankunft nicht am letzten Berg ablegen dürfen. Da explodiert einem doch der Kopf bei. Aber achtet mal auf mich, denn mein Trikot mache ich wenigstens weit auf. Luft an der Haut ist besser als Textil. Das sieht der Sponsor zwar nicht gerne, doch dem sage ich dann: "Hör mal, dass ist eh schon wie angezogen im 46 Grad warmen Whirlpool. Da geht es ums Überleben."
Gebe in den Pyrenäen alles
Euer Jörg
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