Die Lust auf Rennen ist da

13.04.06
Ja, ja, ihr habt keine Lust auf Ausreden und ich auch nicht. Ich habe im Winterhalbjahr einfach nicht die Kurve zum Schreiben bekommen. Aber viel ist auch nicht passiert. Dass der Winter kalt war und viel Schnee lag, dass habt ihr ja auch selbst erlebt.

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Paris

Zeitfahren am Geburtstag

Ein Hammertag

von Jörg Jaksche am 16.07.05


14. Etappe / 92. Tour de France
220.5 km von Agde nach Ax-3 Domaines

Ein Hammertag
Ich sag es Euch direkt - es hätte heute für mich schlimmer kommen können, aber ich habe mich mit Händen und vor allem natürlich mit den Füßen dagegen gestemmt. Am Ende dieser 'Hammeretappe' habe ich den Rückstand auf die Spitze doch noch mit viel Einsatz und Willen in erträglichen Grenzen halten können. Somit war es für mich heute keine 'Watschen', aber ich bin unterwegs schon ins Grübeln gekommen.

T-Mobile Attacke tat weh
Aber der Reihe nach. Ich hab es schon in der ersten Rennhälfte der Etappe bei der Anfahrt in Richtung Pyrenäen gemerkt. Ich denke, "Jörg, es geht nicht so richtig." Nicht gerade ein gutes Gefühl, wenn man so auf einen 2000 Meter hohen Bergpass zurollt. Nun denn, zunächst lief ja alles wie erwartet. Es ging eine Gruppe, gut. Doch dann kam es 'knüppeldick'. T-Mobile rast wie verrückt in den ersten Berg, den Port de Pailheres, hinein. "Vielen Dank", habe ich mir in diesem Moment gedacht. Das kam zum einen überraschend früh, war zum anderen mehr als unangenehm. Ich bin erst einmal 'fliegen' gegangen. Das Tempo konnte ich nicht mitgehen. "Ei, ei, ei", habe ich mir gedacht. "Das wird heute ein Spaß".

Ruhe bewahren
Nach dem ersten Schock habe ich mich zur Ruhe ermahnt. Meine Mitstreiter im Kampf um einen Platz unter den ersten zehn in der Gesamtwertung waren ja beinahe alle vor mir. Einzig Christophe Moreau hatte auch Probleme. Ich habe dann aber mein Kämpferherz ausgepackt, langsam in den eigenen Rhythmus gefunden und schließlich ging es dann auch besser. Als ich dann die ersten Fahrer der Außreißergruppe einholte, gab das zusätzliche Moral.

Auf Abfahrt alles riskiert
Auf der Abfahrt hinunter vom Pailheres bin ich dann Vollgas gefahren und habe das höchstmögliche Risiko genommen. Nicht zum Nachahmen zu empfehlen, Leute. Das hat viele Körner gekostet, aber auch was gebracht. Auch, wenn ihr mich nicht im Fernsehen gesehen habt - ich war immer knapp hinter der Kamera, die bei Vinokourov war. Unten hatte ich dann die Gruppe eingeholt und mich durch die Teamwagen vorgekämpft.

Am Limit in Richtung Bergankunft
Doch genau dann ging vorne die 'Post' in Richtung Ax-3-Domains ab. Da durfte ich in keinem Fall überpowern, denn dann gibt es oben sechs bis acht Minuten oder mehr. Also bin ich alleine hinterhergestiefelt und habe dann zwei Kilometer vor dem Ziel den Cadel Evans 'eingesammelt'. Übrigens Glückwunsch an den Georg Totschnig. Auf den hatte ich schon unterwegs gewettet, als ich hörte, dass er mit zehn Minuten Vorsprung in den ersten Berg fährt. Der hat heute - um mal im Bild zu bleiben - den Nagel mit dem Hammer versenkt.

Ausblick auf den Sonntag
Klar, ich wäre gerne noch weiter nach vorne gefahren, aber der Tag hätte auch böse ausgehen können. Der elfte Platz im Gesamtklassement macht mir dennoch Mut für den Sonntag. Aber wenn ich mir das 'Haifisch-Profil' der Etappe anschaue, dann wird mir bei dem Gedanken an den letzten Berg, der ja ausgerechnet auch noch einer der Ehrenkategorie sein muss, schon wieder ganz anders. Also, wenn ich nicht wirklich verdammt motiviert wäre, dann würde ich morgen lieber mal langsam machen. Kommt aber nicht in Frage. Und ich bin mir sicher, dass es morgen noch einmal richtig zur Sache gehen wird. Dieses Teilnehmerfeld ist einfach zu gierig - Bummeletappe ausgeschlossen.

Voller Kampfgeist

Euer Jörg