
15. Etappe / 92. Tour de France
205.5 km von Lezat-sur-Leze nach Saint-Lary-Soulan
Mit Hungerast in Richtung Ziel
Nun hat es mich doch erwischt. Am Schlussanstieg in Richtung Ziel gingen zwischenzeitlich bei mir 'die Lichter aus'. Die 'Königsetappe' in den Pyrenäen war für mich ein Tag, der eigentlich gut begann und leider schlecht endete.
Verhängnis letzte Abfahrt
Ich greife mal direkt den 'Knackpunkt' heraus. Es war die Abfahrt vom Col de Val-Louron Azet. Zu diesem Zeitpunkt des Rennens waren wir in meiner Gruppe ca. fünf bis sechs Fahrer. Ich hatte mich mit Klödi zuvor den Berg herauf gekämpft, fühlte mich noch recht gut und in Sachen Gesamtergebnis war für mich noch alles im 'grünen Bereich'. Doch dann habe ich einen schlimmen Fehler begangen. Wegen des schlechten Asphalts, der teilweise nur mit grobem Split belegt war, habe ich zugunsten der Lenksicherheit auf das Essen verzichtet. Die Quittung dafür gab es dann im unteren Drittel des letzten Berges.
Das braucht keine Sau
Von einem auf den anderen Moment war dann auf einmal der Strom weg. Ich denke mir noch: "Super Jörg, das braucht keine Sau." Aber ändern kann man dann nix mehr. Kollege 'Hungerast' hatte mit Macht angeklopft. Kein Zucker mehr da. Ich habe sofort drei, vier, fünf Cola in mich hineingekippt, doch zunächst war der Ofen aus. Zudem könnt Ihr Euch sicher vorstellen, dass es sich bei Puls 190 super gemütlich trinken lässt. Ich musste Klödi ziehen lassen - im Ziel hat mich dieser Fehler auf der Abfahrt letztlich drei Minuten gekostet. Zwar ging es dann auf den letzten drei Kilometern des Anstieges wieder besser, doch die Tagesabstände waren da gemacht. Ein Rückschlag für meine Ambitionen. Platz 15 und gut sechs Minuten hinter dem zehnten Platz - da muss ich mir wohl an den nächsten Renntagen noch etwas einfallen lassen.
Vielleicht raus aus dem Hamsterrad
Dabei hatte ich am Anfang der Etappe sogar eine Flucht probiert. Aber Moreau hatte etwas dagegen und sprang mit; Rasmussen wiederum hatte etwas gegen Moreau's-Attacke, da er sein Bergtrikot absichern konnte und sprang auch mit. Und so dreht sich das Hamsterrad. Darin liegt nun vielleicht meine Chance für die nächsten Etappen. Ich bin bei 18.13 Minuten Rückstand ein Stück weniger gefährlich für die Topplatzierten. Daher kann ich hoffentlich mit einer Gruppe gehen und wieder Zeit gutmachen.
Ruhetag nutzen
Den Ruhetag werde ich intensiv nutzen. Die Moral ist bei mir auch nach der Sonntagsetappe noch intakt. Viel schlafen, ein wenig mit der Mannschaft trainieren und dann mental erholen. Bei der abschließenden Pyrenäen-Etappe möchte ich es schon noch einmal wissen. Sicher werden wieder Gruppen gehen. Das ist die Option, die ich wahrnehmen möchte.
Drückt mir die Daumen
Jörg
