Die Lust auf Rennen ist da

13.04.06
Ja, ja, ihr habt keine Lust auf Ausreden und ich auch nicht. Ich habe im Winterhalbjahr einfach nicht die Kurve zum Schreiben bekommen. Aber viel ist auch nicht passiert. Dass der Winter kalt war und viel Schnee lag, dass habt ihr ja auch selbst erlebt.

Nach der Deutschlandtour ist vor der Polenrundfahrt

Halbzeit bei der Deutschlandtour

Paris

Zeitfahren am Geburtstag

Another day in the office

von Jörg Jaksche am 20.07.05


17. Etappe / 92. Tour de France
239,5 km von Pau nach Revel

Ach wenn ich doch Hellseher wäre. Heute hätte ich solche Fähigkeiten nur zu gerne in Anspruch genommen. 239,5 Kilomter durch hügeliges Gelände liegen vor einem und in der ersten Rennstunde geht es dann beinahe zu wie beim Massensprint. Alle wollen auf biegen und brechen in eine Gruppe. Das gibt es nur bei der Tour de France. Deftig gesprochen heißt das, Ar... heben, Ar... heben, Ar ... heben. Fahren am absoluten Anschlag war wieder einmal angesagt.

Gruppe verpasst
"Gut", habe ich mir gesagt. "Ich gehe zweimal oder dreimal voll mit, gebe 120 Prozent und hoffe dann, dass die Gruppe steht." Leider habe ich dabei mal wieder den 'Zonk' gezogen. Die anderen pokern genauso. Du gehst raus, gibst Vollgas, dann klappt es nicht und gleich schießen 80 Mann an Dir wieder vorbei. Bis man überhaupt bei diesem Spiel mitbekommt, dass es vorbei ist, weil vorne nun eine Gruppe steht, kann es schon ein wenig dauern. Dann brauchst Du aber auch erst einmal ein paar Miunten um den Frust zu verarbeiten. Chance vertan, warten auf den nächsten Tag.

Der Unterschied
Schlimm ist, dass man bei der Tour dann für den Rest des Tages eingeparkt ist. An eine Ausreißergruppe kommt man alleine niemals mehr dran. Ich behaupte, dass ich bei jedem anderen Rennen - wenn ich mich dann wirklich zusammenreiße - immer auf Ansagen in einer solchen Gruppe wäre. Bei der Tour de France kannst Du das komplett vergessen.

Der Rest vom Arbeitstag
Mit dem Verpassen der richtigen Fluchtgruppe beginnt dann auch der Rest vom 'Arbeitstag'. Man richtet sich im Hauptfeld ein, hört Funk und bekommt dann mit, dass Klödi aufgeben muss. Schon schweifen die Gedanken ab. "Richtige Entscheidung", denke ich so bei mir und weiß wovon ich spreche. Der schlechte Straßenzustand sorgt am Lenker für reichlich Erschütterungen und bremsen geht nicht mehr gut, wenn man - wie Klödi - einen Kahnbeinbruch hat. Im letzten Jahr bin ich selbst mit gebrochenem Schulterblatt die Dänemark-Tour gefahren. Da hatte ich mich zwei Tage vor dem Rundfahrtbeginn beim Training nach einem Platten so unglücklich 'gestreckt', dass ich mir mit dem Lenkerende ein Stück aus dem Schulterblatt gestanzt hatte. Der Physio bekam damals aber das Hämatom drumherum so gut in den Griff, dass er mich glatt noch 'rennfit' gemacht hat. Ich bin auch schon mit gebrochenem Ellenbogen einen Tagesklassiker gefahren. Das hatte aber höllisch weh getan und man muss immer wissen was man tut. Bleibende Schäden holt man sich da schneller als einem lieb ist. Also Klödi. Gute Besserung!

Zurück im Rennen
Aus meinen Gedanken reißt mich dann einmal mehr T-Mobile. Jetzt werde ich wirklich mal mit dem Mario Kummer sprechen, denn erneut komme ich mit der Magenta-Taktik nicht klar. 20 Kilometer vor dem Ziel 'hafert' die ganze Truppe wie verrückt in Richtung Ziel. Am letzten Berg, der mit drei Kilometern Länge auch kein echter 'Kracher' mehr ist, attackiert man nun wirklich keinen Rasmussen mehr aus dem Anzug. Selbst wenn der einen rabenschwarzen Tag hat, dann verliert der vielleicht 20 Sekunden. Die Action sieht aber im Fernsehen bestimmt wild aus und für den Zuschauer machen wir doch gerne 'Alarm'.

Auf ins Massif Central
Der Donnerstag wird noch einmal ein richtig schwerer Tag. Immerhin ist auf dem Weg nach Mende zweimal zweite Kategorie angesagt. Für mich kann es da nur heißen, dass ich nicht einen weiteren Tag im 'Office' verbringen muss.

Euer Jörg