Das Ding lief nicht
von Jörg Jaksche am 22.07.05
19. Etappe / 92. Tour de France
153,5 km von Issoire nach Le Puy-en-Velay
Die Tour 2005 biegt langsam auf die Zielgerade ein und im Feld pfeifen einige Fahrer bereits aus dem letzten Loch, auf jeden Fall sind wir alle nicht mehr so wirkliche 'Kurbelwunder'. Dennoch war auch auf dieser Etappe noch reichlich Siegeswillen im Peloton zu spüren und genau deshalb gab es in der ersten Rennstunde das gewohnte Schauspiel der Dauerattacken zu bewundern.
Wenn Armstrong nicht willUnd dann gehört einfach auch etwas Glück dazu. Ich gehe also mal wieder auf 'Expedition Gruppenflucht' und dieses Mal dachte ich auch schon, dass das Ding läuft. Moreau war in der Fluchtgruppe und Hincapie auch. Doch dann drehe ich mich um und denke nur noch: "Oh nein, Bobby Julich ist mit von der Partie. Warum kann es denn nicht einmal klappen?" Na, habt ihr schon den Zusammenhang? Ich erkläre es Euch aber auch gerne. Wenn man bei der Tour de France eine Fluchtgruppe zusammenstellen will, dann sollte man neben guten Beinen auch nur Kameraden mit auf den Ausflug nach vorne nehmen, die Herrn Armstrong auch genehm sind. Dies ist bei Bobby Julich nun leider ganz und gar nicht der Fall. Der Julich ist eher in der Kategorie Erzfeind von Armstrong angesiedelt. Ja, und damit konnten wir dann einpacken. Ein Kommando vom gelben Trikot und schon ging Discovery zu Werke und ich hatte wieder 'Hauptfeld' gebucht.
Wenigstens siegen die netten KerleDamit war auch der letzte Tag mit einer Chance auf eine Außreißergruppe für mich dahin. Und so wie sich dann das Rennen entwickelte, habe ich es am Ende für mich von der körperlichen Anstrengung her auch nicht als zu schlimmen empfunden. Die Beine waren bis ins Ziel ganz gut - ich hoffe ein ermutigendes Zeichen für das Einzelzeitfahren. Vorne ging es ja dann im Kampf um den Tagessieg wohl ordentlich zur Sache. Wenigstens hat schließlich mit Giuseppe Guerini wieder ein netter Kerl gewonnen, mit dem ich schon bei Polti und bei Telecom in einem Team gefahren bin. Starke Leistung und Glückwunsch.
55,5 Kilometer SelbstbestrafungVielen Dank übrigens für die aufmunternden Worte von Euch, die ich im Gästebuch meiner Homepage und per SMS erhalten habe. Nie waren sie so wertvoll wie heute - gerade mit Blick auf das Einzelzeitfahren am Samstag. Punkt 15.37 Uhr 'darf' ich dann ran - Abstand ist drei Minuten je Fahrer. Leider habe ich den Parcour im Vorfeld nicht gesehen, aber er soll es in sich haben. Das passt ja auch wunderbar zur diesjährigen Streckenführung. Aber davon lebt schließlich die Tour. Die Jungs sollen sich mal schön quälen. Mache ich garantiert. Ich werde mich quälen. Die ersten fünf Kilometer haust Du voll in die Pedale, dann kommt das Schild mit der Aufschrift 50 Kilometer und Du denkst Dir nur, dass Du Dich gerade eigentlich mit voller Hingabe selber folterst. Und auch noch freiwillig! Aber mein Zimmerkollege Marcos hat mich beruhigt. Er hat nachgelesen, dass das längst Zeitfahren der Tour - muss übrigens in den fünfziger Jahren gewesen sein - 139 Kilometer lang war. Na, da haben wir doch in diesem Jahr vergleichsweise einen Kurztrip gebucht, oder?
Euer Jörg
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