Sieg für Zimmer 16
von Jörg Jaksche am 21.07.05
18. Etappe / 92. Tour de France
189 km von Albi nach Mende
Was soll ich sagen, Liberty Seguros Würth hat heute endlich zugeschlagen. Einer ist allerdings gleich zu Beginn der Etappe eingeschlagen. Wer? Na klar, ich. Wie? Erzähle ich Euch gleich. Doch zunächst gilt mein Glückwunsch meinem Zimmerkollegen Marcos Serrano!
Psychoberater JörgSeit drei Wochen rede ich also auf meinen Team- und Zimmerkollegen Marcos Serrano ein. " Wir schaffen einen Etappensieg. Jeden Tag müssen wir es versuchen, Serrano. Ohne Risiko kein Erfolg". Natürlich macht der Galicier das gleiche Spielchen mit mir. Wenn man sich die Tour gemeinsam antut, dann hat man bei seinem Zimmerkollegen am Ende einer solchen Rundfahrt ohnehin die Rolle des Psychoberaters eingenommen. Schließlich lädt man bei dem anderen ja auch reichlich Frust ab auf 3600 Kilometern Wegstrecke. Doch jetzt um 22.00 Uhr feiert das Zimmer 16 ganz dezent den Etappensieg. Und das tut wirklich gut.
Manolo ist happyAm Freitag wird es hoffentlich ein wenig leiser zugehen bei unserem internen Funk. Denn auch bei unserem Sportlichen Leiter Manolo war der Erfolgsdruck spürbar. Da wurde schon einige Male Klartext in die Ohrenstöpsel von Liberty gesprochen. Doch jetzt sind alle happy. Der Mannschaftskasse tat der Tagessieg auch keinen Abbruch und der Sponsor bekam endlich die gewünschte Aufmerksamkeit der Medien. Und ich, tja, ich bin derzeit echt vom 'Glück' verfolgt.
Bei Kilometer null eingelochtIch habe heute noch in der Neutralisation ein ganz besonderes Kunststück hinbekommen. Da bin ich gerade an meinem Radcomputer dran, will auf null Kilometer stellen, doch dabei übersehe ich ein Absperrgitter und 'kachel' doch glatt gegen den Fuß dieses Gitters. Kann man eine Etappe eigentlich noch schlechter starten? Kleiner Fehler, große Auswirkung. Mein Knie habe ich mir dabei ganz schön angeschlagen und gleichzeitig habe ich mir bei dem 'Manöver' einen beidseitigen Gabelbruch am Rad 'eingeschenkt'. Ich hing danach reichlich witzig auf meiner Maschine. Fragt mich nicht, wie ich den Sturz verhindert habe. Dem eigenen Salto habe ich quasi eigentlich schon zugeschaut und Noten dafür vergeben. So ein Mist-Auftakt der Etappe.
Zwischen Spitze und ArztDer Rest vom Tag ist schnell erzählt. Zunächst bin ich beim Tourarzt gewesen, denn das Knie tat weh. Dadurch habe ich die ersten Attacken verpasst. Später war ich dann schon noch einmal vorne, bin dann jedoch wieder zurück zum Arzt - noch immer Schmerzen. Am letzten Berg - da hat Freund Serrano gerade vorne alle auseinander genommen - habe ich mich bei meinen üblichen Gegnern eingefunden, die so in meinem Bereich im Klassement platziert sind. Man kennt sich ja mittlerweile. Da weiß jeder, wo er hingehört. Da lassen auch immer die gleichen Gesellen nach vorne hin reißen. Der Anstieg war indes wirklich ein würdiger letzter 'Brocken'. Heute muss ich sagen, hier habe ich das 'Attackieren' von T-Mobile verstanden.
Der nächste VersuchDas Knie schmerzt jetzt noch immer ein wenig, aber wer glaubt, dass ich nun nach Paris trödeln werde, der irrt. Dieser Kerl hier neben mir grinst wie ein Honigkuchenpferd. Mit 34 Jahren holt der 'alte Knochen' einen Etappensieg. Ich muss bei der nächsten Etappe unbedingt angreifen. Bei aller Freude für Serrano!
Euer Jörg
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