Die Lust auf Rennen ist da

13.04.06
Ja, ja, ihr habt keine Lust auf Ausreden und ich auch nicht. Ich habe im Winterhalbjahr einfach nicht die Kurve zum Schreiben bekommen. Aber viel ist auch nicht passiert. Dass der Winter kalt war und viel Schnee lag, dass habt ihr ja auch selbst erlebt.

Nach der Deutschlandtour ist vor der Polenrundfahrt

Halbzeit bei der Deutschlandtour

Paris

Zeitfahren am Geburtstag

Zeitfahren am Geburtstag

von Jörg Jaksche am 23.07.05


20. Etappe / 92. Tour de France
Einzelzeitfahren 55,5 km von St. Etienne nach St. Etienne

Ich hatte schon angenehmere Geburtstage in meinem Leben, soviel steht fest. Wer will sich schon an seinem eigenen Festtag derart schinden! Aber ich kenne das Feeling ja eigentlich schon, denn es ist immerhin mein sechster Geburtstag auf der Tour. Damit das aber klar ist, nicht insgesamt - da bringe ich es ab heute auf 29 'Umdrehungen'.

Schweinehügel
Aber jenseits aller Geburtstagsromantik - dies war heute einfach eine verdammt schwere Einzelzeitfahr-Schleife. Eigentlich bin ich im Zeitfahren nicht gerade eine 'Luftpumpe', doch heute habe ich ganz schön pumpen müssen. Am Ende einer solchen Rundfahrt ist der Kampf gegen die Uhr reine Kopfsache. Die Streckenführung hat es einem dabei wirklich nicht leicht gemacht. Die hügelige Landschaft habe ich dann auch relativ schnell umbenannt - und zwar in 'Schweinehügel'. "Mist, noch so ein Schweinehügel", habe ich mich immer wieder innerlich sagen hören. Des öfteren bin ich wirklich von der Straßenführung überrascht worden. Dann haben einem diese Hügel zudem die Sicht auf den weiteren Weg verbaut und somit fehlte es mir manchmal an der richtigen Einschätzung, wie viele Meter die jeweilige Steigung noch andauert. Hier habe ich doch bereut, dass ich den Parcours vorher nicht besichtigen konnte. Das hätte bei der Einteilung der Kräfte schon geholfen.

Die andere Liga
Mit dem eigenen Resultat bin ich so 'lala' zufrieden. Ich hatte mit ca. zwei Minuten Rückstand auf die für mich wichtigen Vergleichsfahrer kalkuliert. Das hatt ja auch so leidlich hingehauen. "Nanu, schummelt der Jaksche da nicht. Der hatte doch am Ende 3.51 Minuten auf den Armstrong", werden die Tourexperten unter Euch jetzt sicher denken. Nein, er schummelt nicht, denn Armstrong, Ulle und Vino kommen in meiner Rechnung nicht vor. Die kurbeln beim Zeitfahren in einer anderen Liga. Da bin ich eigentlich froh, dass ich vor denen nicht unmittelbar starten muss. Denn wer möchte sich schon gerne beim Zeitfahren überholen lassen. Profiradsportler jedenfalls ganz bestimmt nicht.

Mitleid mit Rasmussen
Mit dem Bergtrikot musste man heute wohl einfach Mitleid haben. Dass er seinen dritten Platz gegen Ulle verlieren könnte, damit habe ich schon gerechnet. Aber so eine Seuche wünscht man keinem Gegner ans Bein. Ich bin ja schon ein besonnener Fahrer, aber niemand hätte sich heute wundern brauchen, wenn nach Bjarne Riis ein weiterer Däne beim Zeitfahren 'Rennrad-Weitwurf' praktiziert hätte. Was haben denn die Mechaniker da für Ersatzmaschinen auf die Autos geschmissen? Ich denke, die werden heute noch einiges vom Rasmussen zu hören bekommen.

Paris entgegen
Damit ist die 'Tourmesse 2005' beinahe wieder gelesen. Ich hoffe, dass wir den vielen Radsportfans einmal mehr ein großes Spektakel geboten haben. Jetzt geht es Paris entgegen und mit dem Rest der verbliebenen Konzentration werde ich mich darum bemühen, dass ich meinen 16. Platz im Gesamtklassement verteidige. Die Top-Ten habe ich zwar in diesem Jahr verpasst, aber besser war ich bislang auch noch nicht bei der Tour klassiert. Ist doch ein kleiner Fortschritt, oder?

Euer Jörg