Paris
von Jörg Jaksche am 24.07.05
21. Etappe / 92. Tour de France
144 km von Corbeil-Essonnes nach Paris
So, letzter Eintrag ins Tour-Tagebuch 2005. Da habt Ihr sicher so Eure Vorstellungen, was der Jaksche jetzt Sentimentales zum Besten gibt, oder? Aber Hand auf's Herz - habt Ihr vor Eurem Urlaub auch immer Tränen der Rührung in den Augen bei dem Gedanken daran, was Ihr in den letzten Wochen im Job alles geleistet habt? Na? Ich sage Euch ganz ehrlich, wie es bei mir ausschaut. So gerne ich Radprofi bin, aber jetzt will ich schnellstens nach Hause und freue mich auf ein paar Tage Erholung. Denn die drei Wochen auf der Tour sind eindeutig erst einmal genug Trubel für mich gewesen.
Urerlebnis ParisDoch auch ich konnte mich einmal mehr den Emotionen beim 'Schaulaufen' auf den Champs-Elysees nicht entziehen. Allerdings war es am Anfang durch den regennassen Belag eher so glatt wie beim Schlittschuhlaufen. Nachher ging es zum Glück besser und der Jubel am Straßenrand war einfach klasse. Ich erinnere mich noch an 1998 auf meiner ersten Tour - wenn Du das als junger Fahrer erstmals erlebst, dann prägt sich so etwas auf immer ins sportliche Gedächtnis ein, und zwar unter 'absolutes Highlight'. Auch heute war es für mich wieder der schönste Moment der 'großen Schleife'. Wenn man nach dem Ende des Rennens mit dem Team gemeinsam die Ehrenrunde dreht und die Leute dann Deinen Namen rufen - gigantisch. Doch danach macht es 'puff', duschen, Koffer packen und schon sind alle Fahrer auf dem Weg in die Heimat. Man wacht also schnell aus diesem 'Radsporttraum' auf. Es folgt die rasche 'Flucht' nach Hause.
Ermutigendes FazitKeineswegs will ich damit aber vor einem Fazit flüchten - ganz im Gegenteil. Nur aus der Analyse des Geleisteten heraus erkennt man ja schließlich, wo noch Verbesserungspotenzial schlummern könnte. Klingt geschwollen, ist aber so. Außerdem kann ich zunächst festhalten, dass ich eine gute Tour gefahren bin. Meinem Ziel der Top-Ten bin ich letztlich schon recht nahe gekommen. Aber ich bin ehrgeizig genug zu sagen - nahe ist noch nicht nahe genug.
Zwei schwache TageAbgesehen vom missglückten Auftakt-Zeitfahren, war ich bis inklusive der Alpen richtig zufrieden mit der eigenen Leistung. Da konnte ich ganz vorne mithalten. Der Knackpunkt waren bei mir eindeutig die Pyrenäen. Dort habe ich viel Zeit liegen gelassen. Schwer zu sagen, ob mir die Art der Anstiege nicht so liegt. Fast habe ich den Verdacht, dass es so ist. Für die Top-Ten brauche ich in jedem Fall noch mehr Konstanz in meiner Leistung.
Gezielte VorbereitungFür mich steht fest, dass es einer gezielten Vorbereitung auf die Tour de France bedarf. Das wird im Profiradsport jedoch nur wenigen Topfahrern zugestanden. Wenn Du nicht Podiumsaussichten bei der Tour hast, dann runzeln die Sportlichen Leiter schon arg die Stirn, wenn Du Ihnen mit ausgefeilten Tourvorbereitungsplänen kommst. "Was ist denn im Frühjahr, Junge? Da brauchen wir Dich, denn wir wollen auch schon im Frühjahr erfolgreich fahren." Schon steckt man selbst für die Tour in der Klemme.
Mein PlanDennoch will ich für 2006 bei der Planung zur Tour-Vorbereitung einen solchen Vorstoß bei der Teamleitung wagen. Meine Wunschvorstellung wäre ein gezielter Formaufbau und mein Traum ist, dass ich erstmals in meiner Karriere den Giro fahren und dafür nutzen kann. Schaun mer mal.
Und was kommt jetzt?Jetzt geht es nach Ansbach, ein paar Tage ausspannen, Freunde treffen und die Akkus aufladen. Radfahren werde ich dennoch. So ca. drei Stunden täglich sollte ich schon 'kurbeln'. Ich muss mal daheim den Plan mit meinem Trainer abstimmen. Denn zur Deutschland-Tour möchte ich wieder voll angreifen. Als Deutscher in einem spanischen Team ist das schließlich 'meine Tour'. 2003 war ich bei meiner letzten Teilnahme dort auf dem vierten Platz im Gesamtklassement. Und da ich mich ja nicht verschlechtern will, ...
Auf geht's
Euer Jörg
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