
Halbzeit bei der Deutschlandtour - gut, mit fünf gefahrenen Etappen von insgesamt neun liegen wir schon knapp darüber. In jedem Fall ist es allerhöchste Zeit, dass ich mich mal wieder bei Euch melde. Sorry, aber wer die Deutschlandtour in den vergangenen Tagen etwas verfolgt hat, der wird gemerkt haben, dass 'Herr Jaksche' schon wieder einiges erlebt hat. Doch genug der Vorreden, nur eines noch vorab: vielen Dank für die vielen Aufmunterungen von Euch. Das ist Motivation pur.
Back in Germany
Ich muss Euch zunächst von der heutigen Etappe berichten, bevor ich die bisherige Rundfahrt rückwärts 'aufrolle'. Denn heute war mein erster Durchhänger. Ich hatte nicht gut geschlafen, die Beine waren schwer und auch vom Kopf her war ich müde. Aber - dreimal auf Holz geklopft - für das Gesamtklassement hatte es ja keine negativen Auswirkungen. Heute war auch nicht mit einer solchen Entscheidungssuche in Richtung Gesamtwertung zu rechnen gewesen, denn nach dem Arlberg kamen immerhin noch 120 Kilometer bis zum Ziel in Friedrichshafen. Eine Flucht hätte keiner der Favoriten durchbekommen. So hat Gerolsteiner genau auf den Punkt gearbeitet und den Rückstand auf die Führenden in dem Zeitkorridor gehalten, der die Sprintermannschaften dann auch eingeladen hat, um am Ende das Loch zuzufahren. Wir sind zwar auf der letzten 'Ar...ritze erst herangekommen, aber insgesamt eben Maßarbeit. Und an den heutigen Tag mache ich jetzt gerne einen Haken.
Kette kaputt am Rettenbachferner
Bei der gestrigen Bergankunft am Rettenbachferner sah es indes zunächst ganz gut für mich aus. Doch 10 Kilometer vor Sölden hatte ich leider einen Kettenklemmer. Die Kette war dann so verbogen, dass ich mein Rad tauschen musste. Auf einer Flachetappe ist das auch überhaupt kein Problem, leider aber schon, wenn Du kurz vor einem Berg 'rumradelst' und schließlich auf 2645 Meter hoch musst. Denn auch wenn es nur Millimeter sind, aber die zählen im Spitzensport bei der Feinabstimmung des 'Arbeitsgerätes'. Der Sattel ist minimal anders und schon bekommt man nicht mehr die maximale Kraft auf die Pedale. Leute - keine Ausrede - so ist es halt. Ich hatte mich zunächst noch recht gut gefühlt, doch dann merkte ich, dass ich Krämpfe bekam. So musste ich mal eine Minute das Tempo herausnehmen, tja und die fehlte dann ungefähr auch oben im Ziel.
Viele Freunde am Straßenrand
Am Tag zuvor hatte ich quasi Heimspiel, denn es ging auf der Etappe nach Kufstein in die Nähe meines Wohnortes - heimisches Radrevier also. Da die Etappe mit der Sprintankunft nicht so sonderlich spannend für mich war, blieb genug Zeit übrig, um sich über die vielen Freunde auch aus Österreich zu freuen, die mich am Straßenrand angefeuert haben. Das war wirklich schön. Außerdem hatte ich mich am Vortag doch auch mächtig reingehängt.
Etappe in Bodenmais einen Zentimeter zu lang
Ob jemand da wohl heimlich das Ziel verschoben hatte? Sonst hätte ich mich doch nicht so dermaßen verschätzt im Finish, oder? Spaß bei Seite, kann ein Gesicht noch mehr über Anstrengung aussagen, als etwa meines bei der Zielankunft in Bodenmais? Ich glaube kaum. Da hatten wir zuvor mit unserem Team mal das Feld und die Mitfavoriten testen wollen und alles hatte wirklich gut geklappt. Ich bin dann beim Schlussanstieg rausgesprungen, doch dann hatte ich bei dem Gegenwind auf den letzten Metern nichtmals mehr ein kleines Körnchen übrig, um am Ende doch noch den Etappensieg zu retten. Sicher, ich habe mich geärgert. Was wäre ich denn sonst für ein Sportsmann? Aber rumgeheult habe ich auch nicht groß, denn so ist der Sport und jeder im Feld hat das Recht schneller zu sein. Insgesamt habe ich mich auch über die eigene Leistung gefreut, denn die Form stimmt.
Schwarz wie frisch aus dem Bergwerk
An die erste Etappe von Altenburg nach Plauen mag ich mich eigentlich nur ungern erinnern. Denn das ist kein Wetter für mich gewesen. Es war kalt, es war nass und dies mag ein Schönwetterfahrer wie ich schon einmal überhaupt nicht. Am Ende sahen wir von dem Dreck, der auf der Straße lag, aus, als kämen wir gerade aus einem Kohlenbergwerk. Von oben bis unten war ich schwarz. Ein schlechter Tag für jeden Trikotsponsor.
Blick auf die nächsten Etappen
Ich denke, dass es im Kampf um den Gesamtsieg noch zwei spannende Tage geben wird. Am Feldberg und später beim Zeitfahren wird das Klassement gemacht. Ich will mal hoffen, dass ich mich dann wieder besser fühle als heute. Noch darf ich mir Chancen auf das Podium machen, aber es ist alles dicht beieinander und der Schuss kann auch noch nach hinten losgehen. Da es sich wohl anders nicht machen lassen wird, werde ich also für das Podium noch kräftig kurbeln müssen. Von nix kommt eben nix. Drückt mir die Daumen
Euer Jörg
