
Da staunt ihr, aber ich habe mich tatsächlich aufgerappelt und in die Tasten gegriffen. Aber hier tippt der Chef noch selbst und nach der Deutschlandtour habe ich einfach einmal die Seele baumeln lassen, die Akkus wieder aufgeladen und so hoffentlich noch einmal Kraft getankt für den letzten Teil der Saison. Dennoch vielen Dank vorab für die vielen Einträge in mein Gästebuch, die mich auch zum Schreiben ermuntert haben. Es freut mich natürlich auch ein wenig, dass einige von Euch meine Einlassungen schon vermisst haben. Und den 'Anpfiff' mit den Terminen habe ich mir selbstverständlich auch zu Herzen genommen. Ich habe Euch mal meine 'Arbeitstage' für die nächsten Wochen aufgelistet.
Rückblick auf die Deutschlandtour
Tja, auch wenn die Deutschlandtour jetzt schon ein paar Wochen zurückliegt, aber beim Rückblick auf die einzelnen Etappen kommen in mir schon die unterschiedlichen Emotionen hoch. Einerseits bin ich wirklich mit meinen Leistungen dort zufrieden gewesen, andererseits kam es aber auch wirklich gehäuft mit dem Pech. Doch der Reihe nach. Wenn ich den Faden von meinem Bericht zur ersten Hälfte der Tour wieder aufnehme, so war die sechste Etappe eine zum Durchatmen. Man musste einfach nur aufpassen, dass vorne nichts anbrennt und ansonsten hieß das Motto Trinken, Essen und kleine Gänge fahren. Denn die Königsetappe am Folgetag war schon in den Köpfen der Fahrer, die um den Gesamtsieg kämpften.
Großkampftag am Feldberg
Mit drei Regenjacken übereinander bin ich in die Etappe gestartet - Dauerregen und dazu noch Regen und Regen - ein Traum. Ich habe dafür aber das geeignete Gegenmittel - warme Gedanken machen. Warm wurde mir dann aber schnell auch von alleine. Denn als es zum Notschrei hinauf ging, da wurde nicht nur das Tempo angezogen, sondern mir standen zudem auch die Sorgenfalten ins Gesicht geschrieben, denn ich hatte am Vorderrad einen Stein ausgemacht, der sich in das Profil gebohrt hatte. Ich also über den Funk zu meinem Sportlichen Leiter: "Manolo, ich habe einen Stein im Reifen." Manolo entgegnete, "Kein Problem, das hält noch. Das Material kann das ab." "Super, Manolo", habe ich mir da gedacht, aber das Rennen forderte nunmehr meine ganze Konzentration und ich fühlte, dass es mein Tag sein könnte. Ein Tag zum attackieren. Ich hatte zuvor schon gesehen, dass 'Ulle' nicht so gut drauf war - ist ja auch nicht sein Wetter gewesen. Aber dann kam der 'Jaksche-Faktor' der diesjährigen Deutschlandtour - vier Kilometer vor dem Ziel am Feldberg ist mein Vorderreifen am Ende. Der Mannschaftswagen ist zu diesem Zeitpunkt für eine schnelle Reaktion viel zu weit hinten. Da wir bereits vorne um den Tagessieg kämpften, musste ich aber schnellstens Handeln. Und da bin ich dann eiskalt an meinen jungen Teamkollegen heran, der noch mit mir in der Gruppe war. Der musste leider daran glauben, schaute mich zwar noch mit großen Augen an, aber so ist eben 'Lebbe'. Ich sage zu Ihm: "Hey Du, Dein Vorderrad her", und zack, schon war ich wieder auf dem Rad. Um dann aber wieder an die Spitze zu gelangen, habe ich ein Jahr meines Lebens verloren. Ich habe alles gegeben und die Beine waren wirklich top. Als ich dann den Tagessieg vor Augen hatte, da haben mich dann auf der doch recht steilen Zielankunft die Kräfte verlassen und Cadel Evans hat mich locker abgekocht. Am Ende des Tages denkst Du dann, dass Dich dass alles ankotzt. Aber eine Stunde später war ich schon wieder stolz auf die gute Tagesform. Der Rest ist einfach nur Glück oder eben Pech.
Die 'Klette Totsch'
Das Einzelzeitfahren über 30 Kilometer von Ludwigshafen nach Weinheim habe ich dann ganz ordentlich gemeistert. Mit nur etwas mehr als einer Minute Rückstand auf 'Ulle' konnte ich mich wirklich sehen lassen. Leider fehlten ein paar Sekunden auf meinen Freund Georg Totschnig. Und damit war das 'Kriegsbeil' zwischen uns für die Schlussetappe ausgegraben. Ich hätte noch beide Bonifikationen gewinnen müssen, um am Ende auf dem Podium zu stehen. Leider kann auch 'Totsch' rechnen und so hat er mir auf der Abschlussetappe die 'Klette' gemacht. Und da es eh Utopie ist zu glauben, dass Du bei so einer Etappe dann alleine ankommst, musste ich mich schließlich mit dem vierten Platz in der Gesamtwertung zufrieden geben. Mein Fazit viel dann auch so aus, dass die Form sehr gut war, dass Pech aber in der 'Überzahl'.
Blick nach vorne
In der Zwischenzeit habe ich wirklich mal drei Gänge herausgenommen und mich so neu eingestimmt auf den letzten Teil der Saison. Ich gestehe, da war auch mal ein Besuch in einer Pizzeria fällig. Dennnoch habe ich meine Kilometer 'gekurbelt' und jetzt geht der Blick nach vorne zur Polenrundfahrt. Mal sehen, wozu der alte Jaksche im Osten so fähig ist. Freiwillig bremsen kommt bei mir jedenfalls nicht in die Tüte. Also, Vollgas!
Liebe Grüße
Jörg
